Können dank Veritical Farming noch mehr Milliarden Menschen ernährt werden?
Das spricht dafür
Sehr hohe Flächeneffizienz: Der größte Vorteil liegt darin, dass mehrere Anbauflächen übereinander gestapelt werden. Dadurch kann auf derselben Grundfläche wesentlich mehr produziert werden. Bei Salat erreichen Vertical Farms beispielsweise häufig etwa 60–105 kg Frischmasse pro m² Anbaufläche und Jahr. Das ist besonders für Großstädte interessant, wo landwirtschaftliche Flächen knapp und teuer sind. Lebensmittel könnten direkt dort produziert werden, wo viele Menschen leben.
20.08.2026
Quellen
https://link.springer.com/article/10.1007/s13593-025-01055-wGeringerer Wasserverbrauch: Hydroponische und aeroponische Systeme führen Wasser und Nährstoffe weitgehend im Kreislauf. Dadurch gehen deutlich weniger Wasser und Nährstoffe durch Verdunstung oder Versickerung verloren. Eine aktuelle Übersicht nennt für Vertical-Farming-Systeme bei Salat eine Wasserproduktivität von ungefähr 140 g Frischmasse pro Liter Wasser. Das könnte vor allem in Regionen mit Wasserknappheit ein großer Vorteil sein.
20.08.2026
Quellen
https://link.springer.com/article/10.1007/s13593-025-01055-wProduktion unabhängig von Wetter und Jahreszeiten: Dürre, Starkregen, Frost oder extreme Hitze können die Produktion auf dem Feld stark beeinträchtigen. In einer kontrollierten Indoor-Farm lassen sich Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht, Nährstoffe und Bewässerung gezielt steuern. Dadurch ist eine ganzjährige und relativ konstante Produktion möglich.
20.08.2026
Quellen
https://link.springer.com/article/10.1007/s13593-025-01055-wWeniger Pestizide und regionale Produktion: Da die Pflanzen in einer kontrollierten Umgebung wachsen, können bestimmte Schädlinge und Krankheiten besser ausgeschlossen werden. Außerdem können Vertical Farms in oder nahe Städten errichtet werden. Dadurch lassen sich Transportwege verkürzen und die Versorgung regional stabilisieren. Die FAO sieht Indoor Farming deshalb insbesondere als interessante Technologie für urbane Ernährungssysteme.
20.08.2026
Quellen
https://www.fao.org/food-safety/news/detail/Modern-indoor-farming-opportunities-and-food-safety-challenges-highlighted-in-new-FAO-reportPotenzial für technologischen Fortschritt: Künstliche Intelligenz, Sensoren, Robotik und optimierte LED-Beleuchtung können die Pflanzenproduktion immer genauer steuern. Auch die Züchtung spezieller Sorten für Indoor-Farmen könnte die Produktivität weiter erhöhen.
20.08.2026
Quellen
https://www.nature.com/articles/s44264-024-00021-5Das spricht degegen
Der enorme Energiebedarf ist das größte Problem: Pflanzen benötigen Licht. In einer geschlossenen Halle muss Sonnenlicht deshalb durch künstliche Beleuchtung ersetzt werden. Zusätzlich benötigt man Energie für Klimatisierung, Kühlung, Pumpen und andere technische Systeme. => Vertical Farming ist nicht automatisch nachhaltig. Mit sauberem Solar- oder Windstrom sieht die Bilanz wesentlich besser aus.
20.08.2026
Es werden vor allem Gemüse und Kräuter angebaut => Hier liegt ein grundlegendes Problem der These. Die meisten kommerziellen Vertical Farms konzentrieren sich auf Salat und andere Blattgemüse. Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis, Mais oder Soja sind bisher viel schwieriger wirtschaftlich anzubauen => Salat allein ernährt keine Milliarden Menschen.
20.08.2026
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https://link.springer.com/article/10.1007/s13593-025-01055-wHohe Investitions- und Betriebskosten: Vertical Farms benötigen Gebäude, LED-Systeme, Pumpen, Sensoren, Klimaanlagen und komplexe Steuerungstechnik. Dadurch sind die Investitionskosten erheblich. Auch Stromkosten können die Wirtschaftlichkeit stark beeinflussen. Eine aktuelle wissenschaftliche Übersicht nennt den hohen Energieverbrauch sogar als einen der Hauptgründe dafür, dass die Technologie bisher nur begrenzt großflächig eingesetzt wird.
20.08.2026
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https://link.springer.com/article/10.1007/s13593-025-01055-wNicht jeder Standort ist sinnvoll: Wenn eine Vertical Farm in einer Region mit billigem, fossil erzeugtem Strom steht, kann sie ökologisch schlechter abschneiden als ein Freilandbetrieb. Umgekehrt kann sie in einer dicht besiedelten, wasserarmen Region mit erneuerbarer Energie wesentlich sinnvoller sein. Man muss daher immer das gesamte System betrachten: Strom + Wasser + Gebäude + Transport + Anbau + Entsorgung. Die FAO betont genau diese Verbindung zwischen Wasser, Energie und Ernährung.
20.08.2026
Quellen
https://www.fao.org/land-water/water/governance/water-energy-food-nexus/enVertical Farming löst das Problem der Lebensmittelverteilung nicht: Hunger entsteht nicht ausschließlich, weil weltweit zu wenig Nahrung produziert wird. Armut, Kriege, fehlende Infrastruktur, schlechte Lagerung, Handelsprobleme und ungleicher Zugang zu Lebensmitteln spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die FAO weist darauf hin, dass selbst eine ausreichende globale Ressourcenbasis nicht automatisch bedeutet, dass Nahrung dort verfügbar ist, wo sie gebraucht wird.
20.08.2026
Quellen
https://www.fao.org/fileadmin/templates/wsfs/docs/expert_paper/How_to_Feed_the_World_in_2050.pdfFakten
Die Weltbevölkerung und damit auch die Nachfrage nach Lebensmitteln steigen weiter. Die FAO geht davon aus, dass die globale landwirtschaftliche Produktion bis 2050 gegenüber 2005/07 um etwa 60 % steigen müsste. Gleichzeitig verschärfen Klimawandel, Wasserknappheit, Bodendegradation und der Verlust von Biodiversität die Bedingungen für die Landwirtschaft.
20.08.2026
Quellen
https://www.fao.org/agrifood-economics/publications/detail/en/c/147899/Vertical Farming bezeichnet den Anbau von Pflanzen in mehreren übereinanderliegenden Ebenen, meist in geschlossenen Gebäuden. Hydroponische oder aeroponische Systeme versorgen die Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen; künstliche Beleuchtung und Klimasteuerung ermöglichen weitgehend unabhängiges Produzieren von Wetter und Jahreszeit.
20.08.2026
Vertical Farming wandelt derzeit ungefähr 1–2 % der eingesetzten elektrischen Energie in Nahrungsenergie um. Bei einer durchschnittlichen Stromversorgung mit fossilen Anteilen kann der ökologische Fußabdruck deshalb sogar größer sein als bei konventionellem Anbau.
20.08.2026
Quellen
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12225668/Eine Untersuchung zu vertikal angebautem Weizen zeigt zwar ein enormes theoretisches Ertragspotenzial – die Produktion wäre jedoch wegen des hohen Energie- und Kapitaleinsatzes derzeit wirtschaftlich kaum konkurrenzfähig.
20.08.2026
Quellen
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7430987/?Lösungsvorschläge
Vertical Farming gezielt einsetzen - vor allem dort eingesetzt werden, wo ihre Stärken besonders groß sind: - in dicht besiedelten Städten - in wasserarmen Regionen - für Salat, Kräuter und bestimmte Gemüsearten - bei sehr kurzen Lieferketten - in Regionen mit extremen Wetterbedingungen
20.08.2026
Erneuerbare Energien mit Vertical Farming verbinden: Solar- und Windenergie, Speicher und intelligente Stromnetze könnten die Klimabilanz verbessern. Auch die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren oder Industrie könnte sinnvoll sein.
20.08.2026
Energieeffizientere LEDs und Automatisierung entwickeln: Forschung sollte darauf abzielen, mit weniger elektrischer Energie mehr Pflanzenmasse zu erzeugen. Optimierte Lichtspektren, Sensoren, KI und automatisierte Klimaregelung können dabei helfen.
20.08.2026
Quellen
https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14620316.2024.2440592Vertical Farming nicht als Ersatz für Landwirtschaft betrachten. Für Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten bleibt der konventionelle bzw. nachhaltige Freilandanbau vorerst unverzichtbar. Statt sämtliche Lebensmittel in Hochhäusern anzubauen, sollte man für jede Kultur die effizienteste Produktionsform auswählen.
20.08.2026
Gleichzeitig konventionelle Landwirtschaft nachhaltiger machen! Auch außerhalb von Städten gibt es großes Potenzial: - präzisere Bewässerung - Tröpfchenbewässerung - bessere Böden und Humusaufbau - weniger Pestizide und Dünger - trockenheitsresistente Sorten - Agroforstwirtschaft - effizientere Bewirtschaftung bestehender Ackerflächen
20.08.2026
Quellen
https://www.fao.org/fileadmin/templates/wsfs/docs/expert_paper/How_to_Feed_the_World_in_2050.pdfWeniger Lebensmittel verschwenden und Ernährung verändern! Technische Lösungen allein reichen nicht. Weniger Lebensmittelverschwendung und eine ressourcenschonendere Ernährung können ebenfalls den Druck auf die Landwirtschaft reduzieren.
20.08.2026
Quellen
https://www.fao.org/global-perspectives-studies/fofaMeinungen
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