Mehr Transparenz bei der Europäischen Zentralbank
Das spricht dafür
Transparenz ist wichtig für die Effektivität der Geldpolitik und für das Vertrauen in die Zentralbank
06.02.2026
Für die Finanzmarktteilnehmer sinkt dadurch das Risiko, von einer Entscheidung der Währungshüter überrascht zu werden. So sinkt die Gefahr von Turbulenzen an der Börse.
06.02.2026
Das spricht degegen
Das spricht gegen das Prinzip der Vertraulichkeit (ungeschriebenes Gesetz, dass nur intern diskutiert wird). Die einzelnen Abstimmungsentscheidungen der 23 Ratsmitglieder werden damit öffentlich.
06.02.2026
Einzelne EU-Mitgliedstaaten können durch die veröffentlichten Protokolle unter politischen und öffentlichen Druck geraten.
06.02.2026
Der Rechtfertigungszwang einzelner EZB-Ratsmitglieder wird zunehmen, denn man weiß genau, wer wie abgestimmt hat. Das beeinflusst beispielsweise die Wiederwahl der Notenbankpräsidenten.
06.02.2026
Fakten
Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet hält dagegen nichts von der Transparenz-Offensive: Die EZB habe bewusst darauf verzichtet, die unterschiedlichen Standpunkte im Rat öffentlich zu machen, um mit einer Stimme sprechen zu können.
06.02.2026
Die Direktoriumsmitglieder Jörg Asmussen und Benoit Coeure hatten sich bereits für die Veröffentlichung starkgemacht, die die EZB nach der gängigen Praxis Jahrzehnte unter Verschluss hält. Die EZB ist die einzige große Notenbank, die diesen Weg wählt. Draghi hatte voriges Jahr Weidmanns Widerstand gegen das Anleihen-Kaufprogramm für rettungsbedürftige Euro-Staaten öffentlich gemacht und damit aus Sicht der Bundesbank „de facto mehr Transparenz geschaffen“.
06.02.2026